© 2010 GKR, Standardlogos: Sebastian Volkamer

EINLEITUNG:

Gehen wir auf eine Guppyausstellung, können wir dort, natürlich neben weniger guten, in der Regel sehr gute bis ausgezeichnete Guppys sehen. Viele Betrachter werden dann feststellen müssen, dass ihre eigenen Guppys nicht so gut sind und sich fragen, woran das liegt. Und im Unterbewusstsein weiß jeder, dass es fast immer an ihn selbst als Züchter liegt.

Dass wir unsere Guppys optimal hältern, sie abwechslungsreich fütter'n und genügend Wasserwechsel machen, ist ja wohl selbstverständlich. So selbstverständlich, dass sich hier damit nicht befasst wird. Wer seinen Guppys diese Voraussetzungen nicht verschafft, dem ist nicht zu helfen.

Die zweite Voraussetzung für eine erfolgreiche Guppy-Zucht ist das Zuchtmaterial, mit dem wir beginnen. Und die dritte Voraussetzung ist, wie wir mit diesem Zuchtmaterial arbeiten.

Dazu etwas Grundsätzliches vorweg. Vermeiden Sie, im Zoohandel gekaufte Tiere zur Zucht zu verwenden. Die Tiere sind oft in keinem guten Zustand, man bekommt nur Guppys, die zwar Triangel sein sollen, aber meilenweit vom Standard entfernt sind. Andere Standards erhält man nicht. Genaues ist über die Herkunft selten bekannt. Weibchen, sofern man welche erhält, sind in der Regel mit den Männchen nicht verwandt. Das macht die Zucht mit Zoohandelstieren noch schwieriger, als sie sowieso schon ist.

Aber wo bekommt man seine Zuchttiere dann her? In der Regel vom Hobby-Züchter. Die Tiere, die man dort erhält, sind alle mal geeigneter als die im Handel. Hier erhält man auch die passenden Weibchen. Und vor allen Dingen auch die Standards und Grundfarben, die im Zoohandel nicht erhältlich sind.

Guppy-Zucht ist sehr arbeitsaufwendig. Geld ist mit ihr kaum zu verdienen. So sind im Laufe der Jahre nur die wirklichen Liebhaber dem Guppy treu geblieben. Will man an diesen Kreis herankommen, bleibt nur die Mitgliedschaft in einer der bei den Züchtervereinigungen in Deutschland, denn viele, gerade der guten, Züchter geben von ihren knappen Guppys nur an Vereinsfreunde ab. Als Mitglied in einer solchen Spezialvereinigung bekommen Sie auch das Spezialwissen für die Guppy-Zucht durch den Kontakt mit den anderen Mitgliedern. Nach unseren Erfahrungen ist dies in einem normalen Aquarien-Verein nicht möglich. Das zeigen die Erfahrungen ganz klar.


DAS ZUCHTZIEL

Wenn es Ihnen gelungen ist, von einem Züchter Tiere zum Beginn Ihrer Zucht zu bekommen, wie gehen Sie nun vor?

In der Regel werden es Guppys sein, die Ihrer gewünschten Zuchtrichtung entsprechen. Die gilt es nun zu verbessern und zu erhalten. Zum Beispiel: Die Triangelschwanzflosse ist Ihnen nicht breit genug, die Männchen sind zwar rot, aber längst nicht intensiv genug. Oder Sie möchten ein Muster besser herauszüchten, oder die Rückenflosse ist nicht lang genug usw.

Sie wissen, was sie haben. Nun sollten Sie festlegen, was Sie haben wollen, mit anderen Worten, Sie müssen ein Zuchtziel aufstellen, Ihr Zuchtziel!

Als Anfänger sollten Sie das schriftlich tun. Bei einer schriftlichen Fixierung werden Sie schnell feststellen, auf was sie alles achten müssen. Eine solche schriftliche Festlegung ist auch erfahrenen Züchtern anzuraten.

Als Beispiel, wie ein solches Zuchtziel aussehen könnte, bringe ich hier mein früheres Zuchtziel, das ich 1974 aufgestellt habe und bis zur damaligen Aufgabe meiner Zucht 1985/86 durchgehalten habe: Zuchtziel ist ein vitaler, formschöner und ausreichend großer Guppy mit exaktem Triangel und breiter Rückenflosse bis in das erste Drittel der Schwanzflosse. Die breite Schwanzflosse soll gut getragen sein, der Hinterkörper durch das Gewicht der Flosse nicht herunterhängen.

Die Körperfarbe ist kräftig und leuchtend rot bis zu den Augen, die Brustflossen sollen gefärbt sein, ebenso das Gonopodium. Die Schwanzflosse ist leuchtend rot und voll ausgefärbt, die Rückenflosse weiß und rot.

Um es gleich vorwegzunehmen: Trotz aller Erfolge mit meinem Stamm bis hin zu mehrfachen Ausstellungssiegen ist es mir nie gelungen, mein Zuchtziel in allen Punkten zu erreichen. Sie sehen, Sie werden mit Ihrem Stamm nie fertig, Sie müssen immer an ihm arbeiten.

 


WIR FANGEN AN

Unsere erhaltenen Anfangstiere setzen wir jetzt zur Zucht an, denn vor der Zucht steht die Vermehrung.

In welchem Alter sollen wir die Zuchttiere zusammensetzen?
Für ideal halte ich das Alter
- bei Großflossern von 5 Monaten
- bei den anderen Standards ab 6 Monaten

Natürlich kann man die Tiere schon eher zusammensetzen, ich rate es aber nicht. Wenn man es tut, sollte es nur aus bestimmten züchterischen Anforderungen sein, z.B. möchte man die Nachzucht noch einmal an eines der Elterntiere zurück kreuzen.

Der wichtigste Grund, warum man Geduld haben sollte, ist der Umstand, dass man bei ausgewachsenen Tieren besser selektieren kann im Sinne des Zuchtzieles, weil die Guppys einfach besser entwickelt sind. Allen Anfängern, die sich noch nie mit Guppy-Zucht beschäftigt haben, sei geraten, kein kompliziertes Zuchtziel zu wählen. Erst gilt es, Erfahrungen zu sammeln. Bei einem schwierigem Zuchtziel treten eher Misserfolge auf als bei einem weniger schwierigem. Gerade Anfänger entmutigt das.

Da aber Guppy-Züchter sowieso Geduld aufbringen müssen und Anfänger besonders, sind für den Anfang übertriebene Zuchtziele zu vermeiden.

Deshalb noch einmal:
- Für Anfänger ein einfaches Zuchtziel

z.B. Deckfarbe rot, filigran
  Grundfarbe grau, blond
  kräftige Farben, keine Pastellfarben

WIE LANGE DAUERT ES BIS DIE ERSTEN JUNGEN KOMMEN?

Allgemein heißt es, nach 4 Wochen kommen die Jungen. Zumindest beim Erstwurf eines Weibchens stimmt das so nicht. Aus Untersuchungen weiß man heute, dass das Intervall zwischen den Zusammensetzen von Männchen und jungfräulichen Weibchen recht unterschiedlich ist.

Tabelle 1 zeigt die weite Spanne der Intervalle. Bei der Untersuchung Rosenthal (40 Weibchen) lag der Durchschnitt bei 34,33 Tagen, bei der Untersuchung Luckmann (344 Weibchen) bei 36,65 Tagen. Die ersten beiden Weibchen warfen nach 2o Tagen (weniger als 3 Wochen), einzelne Weibchen erst nach 8 Wochen.



Tabelle 1b Tabelle 2 zeigt, dass das Intervall mit zunehmendem Alter der Weibchen länger wird, die Zahl der Jungen des Erstwurfes steigt.

Tabelle 2b

Wie viele Junge pro Weibchen können Sie beim Erstwurf erwarten? Da hört man die unterschiedlichsten Zahlen, von wenigen bis über hundert. Das dürfte abhängig sein vom Alter und der Größe des Weibchens, vom Inzuchtgrad, den spezifischen Eigenarten des Stammes und anderem mehr. Ich registriere hohe Wurfzahlen immer mit einiger Skepsis. Über 11 Jahre habe ich die Erstwürfe von 329 Guppy-Weibchen gezählt und kam dabei auf einen Schnitt von 24,33 Jungen bei Erstwürfen. Mein Stamm ist in diesen Jahren immer in enger Verwandtschaftszucht gezogen worden, der Inzuchtgrad war also entsprechend. Ich bestreite nicht, das andere Züchter höhere Zahlen erzielen, aber alle schätzen die Zahl, gezählt wird selten. Bei Schätzungen hat man sich aber schnell vertan.(Tabelle 3)


Tabelle 3b

Guppy-Weibchen sind unterschiedlich kannibalisch. Es gibt Weibchen, die beachten ihre neugeborenen Jungen überhaupt nicht. Es gibt aber immer noch Weibchen, die intensiv ihren Jungen nachstellen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das zu verhindern. Einmal können wir die Weibchen zum Ablaichen in den Becken lassen und versuchen, die Jungen durch reichlich Pflanzen, in denen sie sich verstecken können, zu schützen. Der Nachteil ist, das wir nicht die Übersicht haben, wie viele Junge es sind, wie viele gefressen werden und wie sie sich entwickeln. Außerdem müssen wir warten, bis das letzte Weibchen abgelaicht hat.

Am meisten stört mich dabei, das die Jungen zu weit stehen und eine konzentrierte Fütterung, die gerade in den ersten Lebenswochen wichtig ist, schwieriger ist.

Diese intensive Fütterung ist aber nötig, weil das Wachstum in den ersten 4 Wochen beim Guppy wöchentlich 100 % bis 150 % betragen sollte. Versäumnisse hier können später kaum wieder aufgeholt werden.

Ich persönlich ziehe das Ablaichen in Laichkästen vor, obwohl ich weiß, dass auch das umstritten ist. Der Laichkasten hat aber den Vorteil, dass die Jungen vor den Nachstellungen der Mutter relativ sicher sind. Außerdem kann man die Jungen ohne Probleme in ein anderes Becken umsetzen, auch kann man sie zur Not problemlos zählen. Ohne Laichkästen hätte ich meine langjährigen Versuche mit Weibchen nicht durchführen können.

Ich setze meine Jungen in ein Mehrliterbecken. Dazu ziehe ich den Laichkasten einfach aus dein Becken, in dem er hängt und tauche ihn in dieses Mehrliterbecken ein, das selbst wiederum in einem größeren Becken hängt. Kein mühsames Herausfangen, das ganze ist in 30 Sekunden passiert.


WICHTIG! DAS RECHTZEITIGE TRENNEN DER GESCHLECHTER

In diesen Mehrliterbecken verbringen die Jungen die nächsten Wochen, bis sie nach Geschlechtern getrennt werden können. Das Wasser in diesem Becken wird täglich gewechselt, was für das Wachstum der Jungen äußerst vorteilhaft ist. Dazu stehen sie sehr dicht und können somit auch intensiv gefüttert werden. Dazu spart diese Methode Becken, für Besitzer kleinerer Anlagen ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Die Jungen wachsen bei bester Fütterung (nach Möglichkeit nicht weniger als zweimal am Tag) kräftig heran und langsam können wir die Geschlechter erkennen.

Nach ca. 4 - 5 Wochen sollten wir beginnen, Männchen und Weibchen zu trennen. Hier beobachte ich immer große Nachlässigkeit. Wir können unser Zuchtprogramm und unsere scharfe Zuchtauslese aber nur mit jungfräulichen Weibchen durch führen.

Je nach Grundfarbe können wir unterschiedlich früh den Trächtigkeitsfleck der Weibchen erkennen. Je heller die Grundfarbe, desto schwerer und später ist er zu erkennen. Besonders bei Albino-Weibchen ist dies der Fall, aber auch bei goldenen, blonden und weißen. Auch die Ausfärbung der Männchen ist bei diesen hellen Grundfarben erst später zu erkennen.

In der Regel werden wir die Weibchen von den Männchen trennen, wenn wir den Trächtigkeitsfleck erkennen können. Ist das aus den vorher genannten Gründen erschwert, müssen wir bei den Männchen auf die Ausbildung des Gonopodiums achten. Spätestens vor der vollen Ausbildung des Gonopodiums muss die Trennung der Geschlechter erfolgen.

Jeder kann sich ausmalen, wie unmöglich es ist, das alles in einem dicht bepflanzten Becken sicherzustellen. Deshalb meine Empfehlung, die Jungen bis zur Geschlechtertrennung in kleinen Mehrliterbecken zu halten.


WEITERE AUFZUCHT UND AUSSUCHEN UNSERER ERSTEN EIGENEN ZUCHTTIERE

1. Aussuchen der Männchen

Die getrennten und nun separat aufwachsenden Männchen und Weibchen werden weiter gut gefüttert und laufend intensiv beobachtet. Tiere, die zurückbleiben, krumm werden oder sonst keine Entwicklung im Sinne unsere Zuchtzieles zeigen, werden konsequent entfernt, um mehr Raum für die übrigen zu schaffen.

Hier aus Bequemlichkeit oder anderen Gründen nachlässig zu sein, zahlt sich nicht aus.

Nach fünf oder sechs Monaten oder auch später, je nach Standard, Wachstum der Nachzucht, suchen wir unsere ersten eigenen Zuchttiere für die nächste Generation aus. Und das ist nun wirklich ein Kapitel für sich.

Ich komme manchmal aus dem Staunen nicht heraus, wie von manchen Züchtern die Tiere zur Zucht ausgesucht werden.

Da wird mit dem Casher einmal durchs Becken gezogen und was dann drin ist, wird zur Zucht genommen. Oder man trennt die Geschlechter gar nicht, lässt Männchen und Weibchen fröhlich zusammen und vertraut darauf, dass die Männchen schon fleißig sein werden. Das stimmt zwar, nur sind die falschen Männchen (im Sinne unseres Zuchtzieles) dabei immer am fleißigsten. Und es gibt noch andere dubiose Methoden, Guppys zu vermehren. Solche Methoden funktionieren bei keiner Tierart, erst recht nicht beim Guppy. Wer mit ihm Erfolg haben will, muss eine peinlichst genaue Selektion betreiben, um das Zuchtziel zu erreichen.

Nach welchen Kriterien suchen wir nun unsere Zuchttiere aus?
Der Bewertungsstandard IHS (Inter-Hochzuchtstandard) nimmt die Einteilung nach der Schwanzflosse vor. Dort werden die Punkte wie folgt vergeben:

Schwanzflosse 44 Punkte
Körper 28 Punkte
Rückenflosse 23 Punkte
Vitalität 5 Punkte
Gesamt 100 Punkte

Die Schwanzflosse wird dort mit fast der Hälfte der zu vergebenden Punkte bedacht. Und trotzdem rate ich dringend davon ab, die Schwanzflosse bei der Auswahl der Zuchttiere als das wichtigste Merkmal anzusehen. Wer das tut, wird Rückschläge erleben.

Die Reihenfolge der zu beachtenden Kriterien bei der Auswahl von Zuchtmännchen muss unbedingt sein:
1. Vitalität  
2. Körper - Größe und Form
3. Schwanzflosse - Form und Länge
4. Rückenflosse - Form und Länge
5. Farbe - Körper
- Schwanzflosse
- Rückenflosse

Im Laufe der Zeit müssen Sie noch auf weitere, äußerlich nicht sichtbare Merkmale achten, wie
- Langlebigkeit
- Schnellwüchsigkeit
- vor allen Dingen aber Fruchtbarkeit.

Mancher Züchter wird an dieser Reihenfolge Kritik üben. Ich rate aber trotzdem allen Anfängern, diese Reihenfolge einzuhalten. Eine Bevorzugung der Farbe vor der Form wird Sie in ihrem Zuchtziel zurückwerfen.

Wenn es erforderlich ist, können wir die Positionen 3, 4 oder 5 tauschen. Zum Beispiel müssen wir unsere Rückenflossenform verbessern und haben ein Männchen dabei, dass die von uns gewünschte Form besitzt. Dann sollten wir die Schwanzflosse und die Farbe nachrangig einordnen, niemals aber die Vitalität und die Körperform und die Körpergröße. Diese Kriterien stehen immer oben an.

Folgende Fehler schließen Tiere von der Zucht unbedingt aus:

  • krumme Körper
  • zu flacher Körper (Bleistifte)
  • Buckel
  • zu kleine Tiere
  • Dellen hinter dem Maul
  • Flossenschäden, da meist nicht festgestellt werden kann, ob sie vererbt oder Folge von Umwelteinflüssen sind
  • schaukelnde Schwimmbewegungen
  • ein nach unten hängender Hinterkörper (bei Großflossern)
  • ein zu langer Hinterkörper. Solche Männchen neigen dazu, mit zunehmender Größe der Schwanzflosse nach unten zu hängen. Zur Ausbalancierung der großen Schwanzflosse soll ein Großflosser leicht vornüber geneigt schwimmen.
  •  

    2. Aussuchen der Weibchen

    Für die Weibchen gibt es leider noch keinen Standard.
    Bei ihrer Auswahl zur Zucht ist der Körper mit Abstand das Hauptmerkmal.
    - Die Weibchen müssen groß sein
    - Beim Körper ist aufs peinlichste auf korrekte Formen zu achten
    - Die Körperlinien müssen klar sein, speziell die Oberlinie, keine Buckel oder Dellen, vor allen Dingen hinter dem Maul,   ein häufiger Fehler
    - Gut gerundete Vorderkörper mit gutem Laichansatz

    Merkmale ,die wir verbessern müssen, dürfen wir nur mit Merkmalen verbessern, die äußerst korrekt sind. Wenn zum Beispiel eine Triangelflosse an der hinteren Begrenzung einen Bogen nach innen aufweist, dürfen wir das nicht mit einer nach außen gebogenen Schwanzflosse korrigieren, sondern mir mit einer korrekten Schwanzflosse.

    Im Laufe der Zeit muss der Züchter die Flossenformen seiner Weibchen beobachten, um herauszufinden, wie diese Flossen sich vererben und ob sie Einfluss auf die Flossenbildung und Ausfärbung beim Männchen haben.

    Nachdem uns nun klar geworden ist, dass wir nicht die erstbesten Guppys für unsere Weiterzucht nehmen dürfen, müssen wir uns klar werden, in wie vielen Linien wir unseren beabsichtigten Stamm ziehen wollen. In einem späteren Sonderdruck wird genauer auf verschiedene Zuchtverfahren eingegangen, hier erfolgt nur der erste Hinweis darauf, dass wir unseren Stamm nicht nur immer mit einem Zuchtpaar fortführen dürfen. Das ist zu wenig und bringt uns in kürzester Zeit in eine Sackgasse.

    Auch ein Anfänger sollte von Anfang an seinen beabsichtigten Stamm in mindestens 3 Linien ziehen. Damit reduziert er den Verwandtschaftsgrad der Fische und damit die Inzuchtgefahren. Nach einigen Generationen kann er diese Linien miteinander kreuzen.

    Wir können für jede Linie ein oder mehrere Männchen aussuchen. Ich suche immer nur eins aus. Aber nehmen Sie auf jeden Fall für jedes Männchen mehrere Weibchen. Nur so kommen Sie zu ausreichend Jungen. Die brauchen Sie, um die nötige Selektion durchführen zu können.

    Machen wir uns nichts vor: Von 50 Männchen sind höchstens 3 zur Zucht geeignet. Wohlgemerkt, nach dem Äußeren beurteilt. Ob sie wirklich das, was sie zeigen, auch so stark vererben, sehen wir erst bei der Nachzucht, manchmal auch erst in der Enkelgeneration. Von den 3 Männchen tun das höchstens 1 - 2. Diese Zahl wird sich erhöhen, wenn wir unseren Stamm erbfest gemacht haben.

    3. Wie gehen wir beim Aussuchen unserer Zuchttiere vor?

    Wir haben schon davon gesprochen, dass es schwierig ist, Guppys aus bepflanzten Becken heraus zu fangen. Zuchttiere unter Beachtung aller Selektionsmerkmale aus solchen Becken heraus zu fangen, ja überhaupt zu entdecken, dürfte mit etlichen Risiken verbunden sein. Die Gefahr ist groß, dass die besten Tiere über sehen werden.

    Die Becken, in denen wir unsere Guppys aufgezogen haben, müssen übersichtlich sein. Wie können wir sonst während des Wachstums unsere Tiere beobachten und alles entfernen, was für die Zucht oder für Ausstellungen nicht geeignet ist. Pflanzschalen, die man herausnehmen kann oder schnell zu entfernendes Javamoos sollten in den Becken reichen.

    Aus unserem übersichtlichen Becken fangen wir die Tiere her aus, die wir bei einer ersten Prüfung als geeignet angesehen haben. Diese Tiere setzen wir in kleine 1-21-Becken und untersuchen sie dort bei guten Lichtverhältnissen auf ihre endgültige Zuchttauglichkeit.

    Bei unseren wochenlangen Beobachtungen unserer Guppys sind uns bereits einige Männchen aufgefallen, die wir für geeignet halten. Wenn sie die genaue Prüfung überstehen, können wir sie nehmen, sonst weitersuchen. Bei dieser endgültigen Auswahl müssen wir uns Zeit nehmen. Das strenge Selektionsschema, nachdem wir die Männchen aussuchen, wenden wir auch bei den Weibchen an. Das dauert länger, weil wir mehr Weibchen brauchen.

    Auch wenn es immer noch Züchter gibt, die nur das Männchen sehen und die Weibchen nur zum Jungekriegen brauchen: Das Weibchen ist genau so wichtig wie das Männchen, denn es bringt 50 % der Erbmasse. Betrachten Sie bei Ihrer Zucht das Weibchen genau so gleichwertig wie das Männchen. Dass das Weibchen nicht so farbenprächtig ist wie das Männchen, besagt überhaupt nichts. Auch unscheinbare Weibchen können herrliche Farben an ihre Söhne vererben, wie wir aber wissen, zeigt sich die Farbe aber nur bei Männchen. Wir sprechen hier von geschlechtsbegrenzter Vererbung. Ich hoffe, ich habe eindringlich genug die Notwendigkeit einer peniblen Zuchtauswahl bei Ihrer Guppy-Zucht als Grundstein für Ihren Erfolg geschildert.

    Dass kompromisslose Selektion zum Erfolg führt, beweisen nicht nur die erfolgreichen Guppy-Züchter. Es gilt für alle Tierarten. Ich möchte als Beispiel hier einmal das Paradebeispiel erfolgreicher Tierzucht anführen: Die Haflingerzucht in Tirol seit dem 2. Weltkrieg. Um gleich Missverständnissen vorzubeugen: Man kann Pferdezucht nicht mit Guppy-Zucht vergleichen. Ich möchte an diesem Beispiel auch nur aufzeigen, was harte Selektion ausmacht. Die Tiroler Haflinger-Züchter haben es geschafft, aus einer kleinen Population von wenigen tausend in einer Zeit, in der überall in der Welt die Pferdezahlen drastisch zurückgingen, den Haflingerbestand auf eine sechsstellige Zahl in über 3o Ländern der Erde zu steigern. Dabei ist der Haflinger leistungsstark im Flachland wie im Gebirge, z.B. in den Alpen, wo er herkommt, und Himalaja, genauso in der Wüste wie in den Tropen. Das war nur möglich, weil der Verband seit 1945 rigoros laufend die Zuchtbestimmungen verschärfte, die für die Züchter große Opfer bedeuteten. So wurden im Laufe der Jahre 1/3 aller Stutenfamilien selbst wegen geringster Mängel aus der Zucht genommen. Den Züchtern wurde verboten, mit diesen Tieren weiterzuzüchten, für die Züchter ein harter Schlag, denn bei der Pferdezucht geht es um viel Geld. Aber der Gesetzgeber ist dort auf Seiten des Verbandes und kann das erzwingen. Aber der Erfolg zeigt, dass dieser Weg richtig war und ist.

    Wir sind jedoch Hobby-Züchter. So rigoros können und wollen wir es den Züchtern nicht vorschreiben. Aber wir Guppy-Züchter müssen aus Einsicht das freiwillig tun, wozu andere gezwungen werden, um zum Erfolg zu kommen. Ich reite ständig auf diesem Thema herum, weil ich weis, dass viele Guppy-Züchter ihre Zuchttiere nicht sorgfältig genug aussuchen.

    Machen Sie diesen Fehler nicht! Auch wenn es Zeit kostet, diese Zeit zahlt sich vielfach aus Vielfach!!

     


    ZUM SCHLUSS

    Jeder Guppy-Züchter träumt davon, im Laufe der Zeit immer bessere Guppys zu erzielen. Erfolg erfreut und beflügelt. Aus dem Anfänger wird der Fortgeschrittene und danach folgt der Meister.

    Guppy-Züchter gibt es nicht wie Sand am Meer. Es ist ein reines Liebhaberhobby. Geld ist mit ihm kaum zu verdienen. Und trotz dieser kleinen Züchterzahl ist die auf Ausstellungen gezeigte Vielfalt und Qualität erstaunlich.

    Damit das so bleibt, müssen wir Guppy-Züchter uns mehr Mühe geben als andere. Wir können uns Nachlässigkeit und Pfusch einfach nicht leisten.

    Deshalb der Appell an Sie, die hier gegebenen Hinweise und Empfehlungen zu beachten. Das wäre der erste Schritt zu Ihrem Erfolg.

    Daneben sollten Sie unbedingt, sofern es Ihre zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten erlauben, so viele Ausstellungen und Guppy Veranstaltungen wie möglich zu besuchen. Dabei haben Sie den Kontakt zu anderen Züchtern, der sich für Ihre Zucht vorteilhaft auswirken wird.

    Sie sollten sich auch entschließen, Punktrichter zu werden. Als solcher bekommen Sie ein sicheres Gefühl für den Guppy.

    Punktrichter zu werden, ist gar nicht so schwer.

    Die DGLZ wünscht Ihnen nun bei Ihrer Guppy-Zucht viel Erfolg und würde sich freuen, Ihre Guppys auf der nächsten DGLZ Schau zeigen zu können.



    ZUCHTMETHODEN
    EINLEITUNG

    Anfänger, aber auch andere Züchter nach Rückschlägen, fragen immer wieder nach Methoden für eine erfolgreiche Guppy-Zucht. Sie sehen auf Ausstellungen und auf Bildern die hoch bewerteten Guppys der erfolgreichen Züchter und wollen das natürlich ebenfalls erreichen.

    Grundsätzlich eines vorweg: Es gibt nicht d i e einzig wahre Zuchtmethode. Es gibt mehrere Erfolg versprechende. Meistens wenden die Züchter eine von ihnen an, mancher hat aber auch seine eigene Methode. Die meisten Züchter behandeln Ihre Methode nicht als Geheimnis, sondern geben sie ohne weiteres preis, wenn man sie danach fragt.

    Wir können nie sicher voraussagen, ob aus einer Paarung von Guppy-Männchen und -Weibchen die gewünschten Supermännchen hervorgehen werden.

    Wie kommen wir aber zu den Prachttieren?
    Egal, welche Zuchtmethode wir wählen , nur durch geduldige Zuchtarbeit. Wir werden dabei feststellen, dass sich der Guppy in der Hochzucht als Problemfisch erweist. Schon mancher Aquarianer, der bei Problemfischen kaum Schwierigkeiten hatte, stieß beim Guppy an seine Grenzen und gab die Zucht dieses ach so einfachen Fisches schnell wieder auf. Die Guppy-Züchtervereinigungen machen immer wieder diese erstaunliche Beobachtung.

    Fast in jedem Fall war der Hauptgrund für den Misserfolg fehlende Geduld und Ausdauer. Und derjenige hatte sich nicht das für eine erfolgreiche Guppy-Zucht nötige Spezialwissen angeeignet.

    Andererseits ist die Guppy-Zucht aber auch keine schwarze Kunst. Man muss sich nur richtig mit ihr beschäftigen.


    1. FREMDKREUZUNG - KREUZUNG NICHT VERWANDTER TIERE

    In der Tierzucht kennen wir die
               1. Fremdzucht
      2. Inzucht
      3. Linienzucht
    wobei 2 und 3 miteinander verknüpft sind.

    Wollen wir eine Guppy-Zucht beginnen, brauchen wir natürlich als erstes ein Zuchtpaar. Wir können dazu ganz einfach in das nächste Zoogeschäft gehen und ein Guppy-Männchen kaufen, das uns gefällt. Sicher hat der Händler auch noch ein Weibchen für uns. Diese Tiere paaren wir. Nach durchschnittlich 5 Wochen können wir mit dem ersten Wurf rechnen.

    Grundsätzlich eine Bemerkung zu Guppys aus dem Zoohandel. Man muss heute schon lange suchen, bis man in einem Geschäft Guppys findet, die vom Aussehen und vom körperlichen Zustand her für eine Guppy-Hochzucht geeignet sind.

    Betrachten wir uns nun diesen ersten Nachwuchs im Laufe der nächsten Monate, so sieht er seinem Vater gar nicht oder nur entfernt ähnlich. In unserem Becken schwimmt ein Mischmasch von Farben und, wenn wir Pech haben, von Formen. Was ist passiert?

    Unser Zuchtpaar war nicht miteinander verwandt. Beide stammten offensichtlich aus verschiedenen Stämmen und haben daher verschiedene Faktoren vererbt (in der Regel müssen wir davon aus gehen, dass im Zoohandel erworbene Guppys nicht miteinander verwandt sind). Hinzu kommt, dass die Elterntiere nicht erbfest waren, weshalb die Nachzucht zusätzlich aufspaltet. Wer mit solchen Tieren weiterzüchten will, braucht auf jeden Fall einen langen Atem und eine Menge Geduld.

    Die Nachkommen aus einer Kreuzung nicht verwandter Stämme nennen wir in der Guppy-Zucht Hybriden (die wissenschaftliche Definition für einen Hybriden ist etwas anders). Sie sind meist sehr kräftig, groß und oft sehr fruchtbar. Wenn sie auch nicht wie ihr Vater aussehen müssen, können sie in der F1 manchmal doch schöner und kräftiger gefärbt sein als er. Kreuzen wir jedoch solche Hybriden untereinander, erleben wir fast immer einen Rückschlag:
    Die Tiere reichen nicht annähernd an ihre Eltern heran. Warum nicht?

    Bei den Vorfahren waren bestimmte Merkmale durch die Auswahl Zucht gefestigt. Durch die Kreuzung mit einem Stamm mit völlig anderen Merkmalen geht diese Festigung verloren, und die Merkmale verwischen sich in den folgenden Generationen noch mehr, wenn wir nicht durch Zuchtauslese gegensteuern. Wer mit solchen Hybriden weiterzüchten will, dem steht jahrelange mühevolle Zuchtarbeit bevor. Und selbst dann ist ein Erfolg noch nicht garantiert.

    Wen es dennoch reizt, sei es, weil das Ausgangsmännchen besonders gefällt oder weil ihn die schwierige Aufgabe anspornt, der paare das Vatertier mit seinen kräftigsten Töchtern, danach, wenn es noch lebt, mit seinen Enkeltöchtern und so fort, solange das Männchen lebt und fortpflanzungsfähig ist. Anschließend nimmt man den besten Sohn oder Enkelsohn.

    Dabei wählen wir natürlich stets das Männchen aus, das unserem Zuchtziel am nächsten kommt. Aber Vorsicht! Bei der Wahl zwischen einem kleinen Männchen, das dem Zuchtziel gleicht, und einem großen, gut geformten, aber noch mit Fehlern behafteten Männchen sollte man sich für das letztere entscheiden. Sonst wird der Nachwuchs schnell von Generation zu Generation kleiner, und wir sind mit unserer Zuchtarbeit schnell am Ende.

    Wie wir die Zuchttiere auswählen, ist im Sonderdruck Nr. 1 ,,Auswahl der Zuchttiere" ausführlich beschrieben.

    Wer sich aus einer Fremdkreuzung einen Stamm aufbauen will, sollte sich nur mit diesem Stamm beschäftigen und von den jeweiligen ausgewählten Männchen so viele Weibchen belegen lassen, wie ihm Becken zur Aufzucht der Jungen zur Verfügung stehen.

    Wer bei einer Fremdkreuzung sehr vorsichtig und peinlich genau seine Zuchtauswahl trifft, kann damit rechnen, schon nach wenigen Generationen Erfolge zu sehen: Die Männchen beginnen, sich einheitlich auszubilden.

    Freilich ist beim Züchten mit nicht verwandten Guppys keineswegs sicher, dass sie dem Ausgangsmännchen sehr ähneln. Zum Schluss kann sich ein ganz anderer Farbschlag durchsetzen. Müssen wir also nicht verwandte Stämme kreuzen, so sollten wir nur Guppys aus durchgezüchteten Stämmen verwenden. Hier ist wenigstens bekannt, welche Merkmale sie vererben. Mindestens aber eines der Ausgangstiere sollte aus einem solchen erbfesten Stamm kommen. Leider weis kaum ein Zoohändler, ob die von ihm verkauften Guppys erbfesten Stämmen oder irgendwelchen Kreuzungen entstammen. Und die von ihm angebotenen Weibchen gehören meistens nicht zu den Männchen. Egal, was er ihnen darüber und über Guppy-Zucht erzählt, von dieser haben Zoohändler, von wenigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen, so gut wie keine Ahnung.


    2. KREUZUNG VERWANDTER GUPPYS

    Einfacher, sicherer und nicht so langwierig wäre es, bei einem bekannten Züchter ein Pärchen aus einem durchgezüchteten Stamm erwerben. Das erspart lange, mühevolle Zuchtarbeit, da uns der Züchter schon einen Grossteil der Arbeit abgenommen hat. Aber es ist nicht jedermanns Sache, einen fertigen Stamm einfach zu kopieren und mit der Arbeit anderer Ausstellungserfolge einzuheimsen. Allerdings kann man immer wieder beobachten, dass sich ein und derselbe Stamm in den Händen zweier Züchter sehr verschieden entwickelt. Der Hauptgrund dafür: Der neue Züchter ist mit den Eigenarten und Anforderungen dieses hoch gezüchteten Stammes noch nicht vertraut, das dauert eine Weile. Ebenso können sich unterschiedliche Umweltbedingungen bemerkbar machen.

    Ist der Züchter bereit, uns ein Zuchtpaar zur Verfügung zu stellen, so verfahren wir genauso wie bei der Kreuzung nicht verwandter Guppys: Wir paaren immer Bruder und Schwester mit einander. Man glaube aber nicht, es könne jetzt nichts mehr passieren. Wir wollen den Stamm kräftig, gut geformt und intensiv gefärbt erhalten und noch verbessern. Daher müssen wir auch hier peinlich genaue Zuchtauswahl treffen und stets daran denken: Erst kommt die Vitalität, dann die Körperform, dann der Standard und dann die Farbe. Wenn hier die Farbe zuletzt genannt wird, bedeutet das auf keinen Fall, dass sie nicht so wichtig ist. Aber was nützt die schönste Farbe, wenn der Guppy ansonsten vermanscht ist. Deshalb gehen bei der Zuchtauslese die anderen Faktoren vor.

    Unterlaufen dem Züchter Fehler bei der Zuchtauswahl, sind Rückschläge bei der Form und Farbe unvermeidlich.


     

    Bei der Herauszüchtung, Erhaltung und Verbesserung erbfester Guppy-Stämme wenden wir das Prinzip der Inzucht an. Inzucht liegt immer dann vor, wenn nahe Verwandte miteinander zur Fortpflanzung gebracht werden, z.B. Vater mit Tochter, Mutter mit Sohn, Bruder mit Schwester. Bei jeder Tier- und Pflanzenzucht, diene sie dem Hobby oder handle es sich um gewerbsmäßige Nutztier- und Nutzpflanzenzucht, ist Inzucht die Voraussetzung für den Erfolg. Es gibt allerdings Arten, die auf Inzucht sofort negativ reagieren. Andere sind dagegen erstaunlich unempfindlich gegen Inzucht. Der Guppy verträgt sie erstaunlich gut, doch bei ihm gibt es Grenzen. Wir können den Guppy über mehrere Generationen in Bruder-Schwester-Paarung züchten, aber dann treten mit Sicherheit Degenerationserscheinungen auf. Meist haben wir dann bei der Zuchtauslese Fehler gemacht, vor allem nicht das Gebot beachtet, nur Starke und vitale Tiere zur Weiterzucht zu verwenden. Oft haben wir uns verleiten lassen, das schönste Männchen zu nehmen. Degenerationserscheinungen können aber auch auf innere, für uns nicht sichtbare Schwächen zurückzuführen sein. Durch die Inzucht werden Erbmerkmale gefestigt und verstärkt, nicht nur die positiven, sondern leider auch die negativen.

    Inzuchtschäden beim Guppy zeigen sich gewöhnlich dadurch, dass die Tiere von Generation zu Generation kleiner und schwächlicher werden, langsamer wachsen, anfälliger für Krankheiten werden und dass die Zahl der Jungen von Wurf zu Wurf abnimmt. Das kann bis zu völliger Unfruchtbarkeit des Stammes führen. Die Ursache kann sowohl beim Männchen als auch beim Weibchen liegen. Ehe uns nun der Stamm völlig zusammenfällt und wir ihn aufgeben müssen, sollten wir Gegenmaßnahmen treffen. Und das bedeutet: Einkreuzung.

    Dazu sollten wir nun nicht in irgend ein Zoogeschäft gehen und uns ein beliebiges Männchen kaufen. Das würde alles nur verschlimmern. Wir müssen uns ein passendes Männchen zum Einkreuzen suchen.

    Angenommen, wir haben einen Filigranstamm, den wir auffrischen müssen. Von Ausnahmen abgesehen, wird das Filigranmuster nur vom Vater auf den Sohn vererbt. Kaufen wir nun ein Männchen, dass das Filigranmuster nicht im Erbgut hat, so verschwindet das Filigranmuster, weil die Weibchen das Muster nicht vererben. Wir müssen also einen Züchter suchen, der gleichfalls Filigranguppys des gleichen Standards züchtet und von ihm ein Männchen erwerben. Dieses Männchen muss nun in unserem Stamm "aufgehen". Dazu dürfen wir das Männchen nicht einfach in unseren Stamm kreuzen, sondern wir dürfen es nur vorsichtig "an" den Stamm kreuzen.

    Das erfolgt so: Wir züchten unseren Stamm weiter wie bisher mit geeigneten Zuchttieren. Daneben bauen wir ein zweite Linie mit dem neuen Männchen auf, in dem wir es mit einem oder mehreren Weibchen unseres Stammes paaren. Aus der F 1 dieser Paarung nehmen wir das beste Männchen und paaren es wieder mit Weibchen aus unserem Stamm. Oder wir nehmen ein gutes Männchen aus unserem Stamm und paaren es mit Weibchen aus der F1 der "Einkreuzung". Oder, wenn wir genügend Becken haben, führen wir beide Möglichkeiten durch. Die zweite Generation (F 2) muss schon Hinweise geben, ob die Einkreuzung ein Erfolg war und die Nachkommen daraus besser sind, als die Tiere aus unserem alten Stamm.

    Abb. 1:

    Bei diesem ,"Ankreuzen" müssen wir aber darauf achten, dass wir nur solche Tiere verwenden, die unserem Stamm ähnlich sind und die einem erbfesten Stamm entstammen. Nur dann können wir sicher sein, dass sie wirklich das vererben was sie zeigen. Also: Filigran zu Filigran, Rot zu Rot, Grün zu Grün und so weiter.

    Tabelle 4b
    Abb. 1: Kreuzen eines Männchens an den Stamm.

    Der alte Stamm wird wie bisher weitergezüchtet. Das fremde Männchen wird mit Weibchen des alten Stammes gekreuzt. In den nächsten Generationen nehmen wir von dieser neuen Linie nur die Männchen, die Weibchen aber vom alten Stamm.

    Und warum verwenden wir meistens nur Männchen zum Einkreuzen? Erstens werden etliche Merkmale beim Guppy nur vom Männchen vererbt (Z.B. Filigran, Doppelschwert, Grün), zweitens fällt es uns immer leichter, bei den Männchen geeignete Tiere zur Weiterzucht herauszufinden.

    Dieses Einkreuzen in einen bestehenden Stamm, den wir kennen, weil er unserer ist, ist auf jeden Fall Erfolg versprechender als das Kreuzen von nicht verwandten weitgehend unbekannten Tieren.


    4. LINIENZUCHT

    Wenn wir es gar nicht erst darauf ankommen lassen wollen, dass unser Guppy-Stamm zusammenfällt so warten wir nicht, bis eine Einkreuzung notwendig wird. Wir ziehen vielmehr unseren Stamm von vornherein in mehreren Linien. Dabei gibt es nun mehrere Möglichkeiten:

    4.1.

    Drei Linien sind dabei die unterste Grenze. In jeder paaren wir Bruder mit Schwester. Die Linie mit der schlechtesten Nachzucht geben wir auf und bilden aus den beiden besseren eine neue. In jeder Generation verfahren wir so. Diese Methode eignet sich besonders für Züchter mit kleineren Anlagen.

    Tabelle 5b
    Abb. 2: Wir züchten in 3 Linien A,B und C (siehe Text 4.1.). In jeder Generation geben wir die schlechteste auf und bilden aus den beiden besseren jeweils eine neue Linie.

    4.2.

    Man kann auch folgende Methode anwenden:

    Von seinen Ausgangstieren schafft man 3 Linien: A, B und C (siehe Tafel 2). Jetzt führt man diese Linien nicht fort mit Geschwisterpaarungen (A x A,  B x B,  C x C), sondern paart immer im Rollsystem zwei Linien miteinander: A x B,  B x C,  C x A.

    Jedes mal, wenn eine Linie auch hier qualitätsmäßig nachlässt, wird sie aufgegeben und auch hier aus den beiden anderen eine neue gebildet und dann im Rollsystem fortgefahren.

    Tabelle 6b


    Abb. 3: Wir züchten in 3 Linien A, B und C (siehe Text 4.2.). Dabei paaren wir immer im Rollsystem A x B,  B x C  und C x A.

    4.3.

    Je nach Zahl der Becken, die uns zu Verfügung stehen, können wir das nun noch steigern auf fünf oder sechs oder noch mehr Linien. Dabei scheidet in jeder Generation von je dreien die jeweils schlechteste aus und aus zwei anderen wird eine neue gebildet. Oder man verfährt auch hier nach dem Rollsystem, in dem ständig eine Linie mit einer anderen gekreuzt wird.

    4.4.

    Das kann man noch erweitern und zum Beispiel 6 Linien in zwei Gruppen je 3 Linien bilden, die dann entweder nach der Methode 4.1. oder 4.2. gezogen werden.

    In längeren Abständen kann man dann die jeweils besten Linien aus jeder 3-er Gruppe miteinander kreuzen. So kann man eine Gruppe hauptsächlich auf Form selektieren, die andere auf Farbe. Aus eigener Erfahrung weis ich, dass solche Kreuzungen aus diesen verschiedenen Richtungen durchschlagenden Erfolg bringen können. Außerdem hat diese Methode den Vorteil, dass die Inzucht nicht so eng betrieben wird.

    Die zuletzt genannte Methode eignet sich gut für mittlere Anlagen. Sie versetzt uns in die Lage, unseren Stamm ohne die in die Sackgasse führende enge Inzucht dauerhaft zu züchten. Dass aber nicht allein das Zuchtsystem den Erfolg bringt, sondern die Selektion der Zuchttiere (auch der Weibchen) das A und o ist sollte jedem klar sein.

    Selektion und Zuchtmethode sind keine Garantie für Zuchterfolg, die gibt es nicht, aber die einzige Möglichkeit, ihn zu erreichen.


    5. ZUCHT IN GROSSEN BECKEN

    Ich kenne Züchter, die haben nur wenige, dafür aber sehr große Becken. In diesen ziehen sie große Mengen Guppys auf. Inwieweit bei dieser Methode angesichts des Fischgewimmels in den Becken und der Größe der Becken bei entsprechender Bepflanzung eine genaue Zuchtauswahl, speziell bei den Weibchen vorgenommen wer den kann, vermag ich nicht zu sagen. Ich habe dabei meine Zweifel und immer das Gefühl, dass auf die große Zahl vertraut wird und die Züchter hoffen, dass sie das Unheil schon verhüten wird.

    Wenn aber auch bei dieser Methode die Zuchtauswahl penibel betrieben wird, dass sich nur das Beste mit dem Besten verpaaren kann, ist auch diese Zuchtmethode zu empfehlen.


    6. REDUZIERUNG DER INZUCHT

    Wenn wir unser Zuchtziel schon in Teilen erreicht haben, sollten wir prüfen, ob wir schon mehrere gute Männchen im Sinne unseres angestrebten Zuchtzieles haben.

    Ist das der Fall, sollten wir zur weiteren Reduzierung der Inzucht in unserem Stamm dazu übergehen, nicht nur 1 Männchen pro Paarung zu verwenden, sondern mehrere. Die Zahl der Voll-Geschwister nimmt dadurch ab, die der Halbgeschwister zu. In den nachfolgenden Generationen wird auch dieser Anteil zurückgehen zugunsten von Cousins und Cousinen.

    Die idealste Zusammensetzung ist immer die gleiche Anzahl Männchen und Weibchen, also 3x3, 4x4, 5x5, 6x6, 8x8 usw. Je größer die Zahl, desto größer die wahrscheinliche Mischung untereinander (jeder mit jeder), desto geringer in den nach folgenden Generationen die Chance, dass wir Vollgeschwister erhalten, dafür aber Halbgeschwister und, besser noch, entfernt Verwandtere. Bei sorgfältiger Zuchtauswahl ist diese Methode sehr Erfolg versprechend.

    Natürlich können Sie auch eine unterschiedliche Geschlechterzusammensetzung nehmen, z.B. 3 Männchen und 5 Weibchen oder umgekehrt. Hier ist jedoch die Anzahl der möglichen Kombinationen niedriger, weil es nur zu Verpaarungen mit 3 Männchen kommen kann. Mehrfachbelegungen der 5 Weibchen durch dasselbe Männchen sind wahrscheinlich.

    Warum ist es so wichtig, unseren Stamm ständig in guter Qualität zu erhalten, wozu auch unbedingt die Reduzierung der In zuchtgefahren gehört? Weil es Ihr ureigener Stamm ist. In dieser Form gibt es ihn nur bei Ihnen, höchstens noch bei ein, zwei anderen Züchtern. Dass heißt, dass Sie Einkreuzungsmaterial nicht überall kaufen können in der Qualität, die Sie benötigen. Züchten Sie aber eine besondere Farbe, kann es passieren, dass Sie nirgends gleiche Tiere bekommen können. Dann sind Sie ganz allein auf sich gestellt. Deshalb ist es so wichtig, Ihren Stamm auf eine ausreichend breite Basis zu stellen und gegen alle Gefahren vorzubeugen, vor allen Dingen auch gegen die Folgen zu enger Inzucht.

    Gute Ausstellungsergebnisse in einem Jahr sind ein wirklich schöner Erfolg. Ein Züchter kann sich zurecht darüber freuen, er sollte das aber nicht überbewerten. Solche Anfangserfolge erleben wir oft. Entscheidend ist dann, dass dieser Erfolg ein Dauererfolg wird, indem mit der gleichen Form und dem gleichen Farbschlag Jahr für Jahr gute Ergebnisse erzielt werden. Das ist ein Hinweis darauf, dass es sich um einen durchgezüchteten Stamm handelt. Und nur das kann das Ziel eines guten Guppy Züchters sein.


    ZUM SCHLUSS

    Sicher wird der eine oder andere Züchter noch eine andere, seine ganz spezielle Methode praktizieren. Was letztendlich zählt, ist der Erfolg. Anfängern rate ich aber, eine der unter Punkt 4 gezeigten Zuchtmethoden zu verwenden.

    Wichtig ist dabei die Mitarbeit in einer speziellen Guppy-Züchter-Vereinigung und die Betreuung durch sie. Dadurch erwirbt der Anfänger nach und nach das Spezialwissen, das er für seine Guppy-Zucht braucht.

    Früher galt der Guppy als problemloser Anfänger-Fisch. Als Hochzucht-Produkt ist er ein Problemfisch geworden. Und nun scheinen viele Aquarianer Angst vor ihm bekommen zu haben. Einer der Gründe dafür dürften die fehlenden Spezialkenntnisse sein. Sie im Kreise von Gleichgesinnten zu erwerben, ist die beste Möglichkeit.


    Fazit:

    • Genaue Zuchtauswahl,
    • eine geeignete Zuchtmethode,
    • der regelmäßige Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten,
    • und der Zuchtvergleich auf den in- und ausländischen Guppy-Ausstellungen sind der beste Garant für den Erfolg.
    •  

      Literaturverzeichnis:

      • Michael Dzwillo (1959): Genetische Untersuchungen an domestizierten Stämmen von Lebistes reticulatus (Peters),   Mitt. Zool. Inst. Mus. Hamburg, 5 143-186
      • Europäische Guppy Association -EGA-: Eurostandard 1995
      • Michael Kempkes: Der Guppy, Eugen-Ulmer-Verlag, Stuttgart, ISBN3-8001 -7330
      • Hans Luckmann: Langzeituntersuchungen an Guppy-Weibchen, Guppy-Blätter (1984) Anleitung für eine erfolgreiche   Guppy-Zucht, Nr. 1: Auswahl der Zuchttiere, Nr. 2: Zuchtmethoden, Sonderdrucke des Arbeitskreises ,GUPPY der   Deutschen Gesellschaft für Lebendgebärende Zahnkarpfen (1993)
      • Hans-G. Petzold (1988): Der Guppy, A. Ziemsen Verlag, Wittenberg